Bedingungsloses Geschenk oder Opfer

Mir ist ein neues Thema aus mehr oder weniger aktuellem Anlass aufgestoßen. Was macht eigentlich den Unterschied zwischen einem bedingungslosem Geschenk und einem Opfer aus? Was passiert mit uns, wenn wir opfern und was, wenn wir schenken? Gibt es ein reines Geschenk?
Ich würde ein bedingungsloses Geschenk so definieren: Wir geben etwas, ohne damit etwas zu beabsichtigen. Das schließt ein, dass wir das Geschenk auch dann gerne schenken, wenn wir nicht einmal Dank dafür erhalten. Kann sich jemand erinnern, wann er das das letzte Mal geschafft hat? Kann so etwas nur mit uns lieben Menschen gelingen oder gelingt uns das auch mit dem zerzausten Bettler an der Straßenecke? Was wenn der Beschenkte das Geschenk nicht achtet und weg wirft? Wie fühlen wir uns dann? Nicht gut? Ja, war das Geschenk dann wirklich bedingungslos? Was bezwecken wir eigentlich mit Geschenken?
Und was passiert bei einem Opfer? XY bittet mich, etwas zu tun, ich habe aber weder Zeit und Lust, sage aber trotzdem, ich tue es. Bei der Ausführung wie danach ärgere ich mich aber und gebe XY die Schuld für meine schlechte Laune. Was passiert also? Ich fühle mich als Opfer der in meinen Augen überzogenen Bitte und klage mein Gegenüber am Ende an. Dadurch wird er zum Opfer seines Wunsches! Ist es am Ende nicht viel schlimmer, ein Opfer gebracht zu haben, anstatt gar nichts zu tun, oder im Vorfeld ein Kompromiss zu finden, der für alle annehmbar ist?
Ich meine besonders in der Erziehung ist das mit dem Opfer ein fataler Fehler. Wird man von seinem Kind gebeten, weil es einen Wunsch hat und man sagt ja, obwohl man eigentlich nicht will, ist am Ende sauer auf das Kind, weil es ja schon wieder so viel von einem wollte, dann merkt das Kind diese Haltung, da bin ich mir ganz sicher, selbst wenn wir nicht schimpfen. Irgendwann wird es aufhören, uns um etwas zu bitten, weil es nicht Schuld daran sein möchte, dass wir uns schlecht fühlen. Ist es das wert? Ist es das auch anderen Menschen gegenüber überhaupt wert?
Ich meine nein! Nicht immer und für jeden kann man alles schenken, aber sich selber immer wieder zu fragen, ob das, was man gerade tut, wirklich das ist, was man für richtig hält, das sollte immer drinn sein. Und falls es mal in die Hose geht und man sich zu viel aufgehalst hat, warum dann nicht demjeniegen davon erzählen? Warum nicht um einen Kompromiss bitten, eine Ersatzlösung suchen? Das wäre zumindest ehrlich und würde allen gut tun. Wenn es wirklich hart auf hart kommt, meine ich, kann man ohnehin darauf vertrauen, dass man selbst das Bedürfnis hat, alles Notwendige zu tun, oder würden Sie z.B. einen Ihnen sehr lieben Menschen über Tage im Krankenhaus alleine lassen?
Taten, zu denen man entschlossen ist, tun nicht weh, sie machen niemandem zum Opfer! Sie verlangen keinen Dank, man tut sie einfach, weil man dazu entschlossen ist. Sind sie dann so etwas wie Geschenke?
Und Opfer? Ich meine, es lohnt sich, zu prüfen, ob die Dinge, die wir für andere tun, nicht vielleicht öfter mehr Opfer sind, als wir es wahr haben wollen. Es ist sicher auch wichtig, zu überlegen, wie man es schaffen könnte, aus diesem Opfer eine neutrale Tat werden zu lassen. Muss man wirklich bei Oma zum Kaffee und Abendbrot bleiben? Kann man das im Vorfeld nicht einfach anders besprechen? Ist es nicht richtig, wenn man an der Grenze zum Opfer steht, Verständnis beim Gegenüber einzufordern? Wie würde man denn selbst reagieren, wenn einem jemand sagt, dass er unsere Wünsche aus gutem Grund nicht ganz erfüllen möchte sondern nach alternativen Lösungen sucht?
Und Geschenke? Ich bin sicher, dass ein bedingungsloses Geschenk wirklich schwer, wenn überhaupt möglich ist. Aber vielleicht wäre vieles einfacher, wenn wir uns öfter bewußt machen würden, dass ein Geschenk wirklich etwas ist, was wir weggeben sollten, ohne etwas zu erwarten. Dann wären wir nicht böse, wenn es gleich weiter verschenkt wird, nicht traurig, wenn der Dank mal nicht so überschwenglich ausfällt und die Freude an den glänzenden Augen würde viel größer ausfallen, weil wir uns einfach freuen, dass sich jemand anderes freut.

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